
in Schwäbisch Hall .
Eva Maria Kraiss berichtet über ihre Zeit im Stadtrat.
(Transkription folgende Seite)

in Schwäbisch Hall .
Eva Maria Kraiss berichtet über ihre Zeit im Stadtrat.
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Das klingt jetzt alles ganz super, aber der Anfang war relativ schwierig. Es gab im Bewusstsein der Verwaltung und der Öffentlichkeit keine Stadträtinnen. Ich habe Post bekommen: „Sehr geehrter Herr Stadtrat Kraiss“, oder bei einer Veranstaltung wurden begrüßt die „Stadtväter“ von Hall, und dann stehen Sie da und fühlen sich irgendwie nicht repräsentiert. Das sind zwar Kleinigkeiten vielleicht, aber es war damals wirklich nervig.
Hallo und grüß Gott miteinander. Ich soll heute etwas über meine über 50jährige SPD-Mitgliedschaft erzählen und vor allem über meine 43jährige Rolle als Stadträtin in Schwäbisch Hall. Ich heiße Eva Maria Kraiss und bin 1968 zum ersten Mal nach Hall gekommen. Da wurde ich an meine erste Dienststelle versetzt, und ich kannte Schwäbisch Hall überhaupt nicht, fand das Städtchen ganz nett, aber ein bisschen eng, muss ich sagen. Nicht von den Stadtmauern her, aber vom Denken und der Art der Leute. Trotzdem hat mir die Stadt gefallen, und ich habe dann beschlossen, wenn ich dort schon wohne, dann möchte ich nicht nur wohnen oder existieren, sondern ich möchte mich in diese Gemeinschaft einbringen und möchte auch etwas für Hall bewirken. Darum habe ich mich 1972 in die SPD begeben - typischer Willy-Brandt-Eintritt sozusagen – und habe dann dort gearbeitet und in vielen Vereinen mitgearbeitet. Ich war unter anderem 11 Jahre Vorsitzende der Pro Familia. Da habe ich dann einen gewissen Bekanntheitsgrad gewonnen. Und als ich dann 1980 zum zweiten Mal – das erste Mal war erfolglos, kein Wunder, ich war eine Frau, war keine Hallerin und SPDlerin, das war damals schon noch ein Grund, nicht gleich ins Amt zu kommen. Als ich 1980 dann gewählt worden bin, habe ich mich zunächst auf meine Themen wie Soziales, Jugend und Frauen konzentriert und habe dann mit anderen zusammen die erste Frauenbeauftragte in Hall installiert. Aber aus der Sicht damals war es relativ schwer, als Frau und als Newcomerin in das altehrwürdige Gremium der Stadträte zu kommen. Da watren diese festgefügten Fraktionen.Gott sei Dank kamen mit mir noch 4 andere junge Genossen in den Gemeinderat. Da war unter anderem Walter Müller dabei und der legendäre Jockel Baumann, und war haben diesen Rat auch ein bisschen umgekrempelt. Da waren zum Beispiel auch Aufgaben für mich mit geschichtlichem Hintergrund, dass man zum Beispiel die KZ-Gedenkstätte in Hessental durchgebracht hat oder dass man die jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger eingeladen hat oder dass man auf meine Initiative die Zwangsarbeiter nach Schwäbisch Hall eingeladen hat nach vielen Jahren, und auch die Partnerschaften mit Zamosc und Neustrelitz waren meine bevorzugten Aufgaben.
Das klingt jetzt alles ganz super, aber der Anfang war relativ schwierig. Es gab im Bewusstsein der Verwaltung und der Öffentlichkeit keine Stadträtinnen. Und das erste, was ich da erlebt habe, war, dass ich den silbernen Ehrenbecher – den kriegt man immer mal bei Veranstaltungen, und da steht eingraviert, seit wann man im Gemeinderat ist und wann man austritt – den habe ich bekommen, und da stand: Eva Maria Kraiss, Stadtrat seit 12.9.1980. Da habe ich den Ehrenbecher zurückgegeben und habe gesagt, aus dem trinke ich nicht, solange ich nicht als Stadträtin drauf bin.
Und so ist es dann auch gewesen. Also heute wäre das alles nicht denkbar. Gendern war damals noch keine Überlegung. Da habe ich mir dann auch den Respekt der anderen Fraktionen verdient. Als ich 2003 verabschiedet worden bin, habe ich das auch gemerkt. Ich habe wunderschöne Reden gekriegt auch von den anderen Fraktionen. Und das schönste, muss ich sagen, war, als die FDP-Kollegin Striebel gesagt hat: „Sie gehören zu Hall wie die Michaelskirche und der Marktplatz.“ Da war ich schon ein bisschen stolz, und noch stolzer war iuch, als ich die Willy-Brandt-Medaille gekriegt habe, weil ich gemewrkt habe, meine SPD ehrt mich. Und ich muss vielleicht abschließend sagen: Das waren viele Jahre mit großer Arbeit, aber ich habe viel erlebt und viele Menschen kennengelernt, viele Situationen erlebt, die ich nicht missen möchte, und wenn ich heute durch die Stadt gehe, dann werde ich viel gegrüßt von Leuten, die wissen, welche Rolle ich mal gespielt habe.
MZ
12.11.2026, 18:00 Uhr JHV SPD Hall
11.12.2026, 18:00 Uhr SPD OV-Vorstand und Fraktion
beschlossen auf der Mitgliederversammlung am 28.11.2022